Die von der EU geforderten CO2-Grenzwerte bis 2021 bzw. 2030 lassen sich nur erreichen, wenn sich Elektromobilität als starker Trend durchsetzt. Davon abgesehen steht die Automobilindustrie noch vor weiteren großen Herausforderungen, die insbesondere auch die Autohersteller Deutschlands betreffen. Die Corona-Krise im Frühjahr 2020 hat diese Herausforderungen nochmals verschärft. Die von staatlicher Regulierung erzwungene Entwicklung neuer Antriebsformen (Elektroauto, Wasserstoff) dürfte die größte Herausforderung für die Automobilindustrie sein. Ferner erwarten die Käufer von heute und morgen mehr denn je, dass ihr neues Auto bestens für autonomes und vernetztes Fahren gerüstet ist. Gleichzeitig sind die Autohersteller weltweit mit sinkenden Verkaufszahlen und Unsicherheiten infolge der Handelsstreitigkeiten zwischen USA und China einerseits und USA und Europa andererseits belastet.

Elektromobilität in Europa

Mit staatlicher Regulierung im Sinne niedrigerer Abgaswerte sind die Automobilhersteller in Europa vertraut. Das ist nichts neues, auch wenn einige Hersteller zuletzt mit Tricks versucht haben, die festgelegten Abgaswerte zu erreichen. Die von der EU bis 2021 und 2030 festgelegten CO2-Grenzwerte lassen sich jedoch mit den Verbrennungsmotoren (Ottomotoren, Diesel) und „Downsizing“ nicht mehr erreichen. Daher sind die Autohersteller aufgefordert, neue Antriebsformen mit geringeren Abgaswerten zu entwickeln und entsprechende Modelle auch zu verkaufen. Überschreiten die Autohersteller mit dem Flottendurchschnitt die festgelegten Grenzwerte, drohen kräftige Strafzahlungen pro verkauftem Auto, das den Grenzwert überschreitet.

Die von der EU geforderten CO2-Grenzwerte lassen sich bis 2021 nur noch erreichen, wenn der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen deutlich steigt und zumindest eine Größenordnung von 10% erreicht. Das ist für einige Autohersteller (nicht für alle!) angesichts insgesamt sinkender Verkaufszahlen und vor dem aktuellen Hintergrund der Corona-Krise pure Illusion. Die Verkaufszahlen der Autohersteller bei den Elektroautos sind in Europa größtenteils allenfalls homöopathisch.

Rund 8% aller im 1. Halbjahr 2019 neuzugelassenen Pkw verfügen über einen alternativen Antrieb. Im Vorjahreszeitraum belief sich der Anteil auf nur 1,8%. Auch die bis Oktober 2019 reichenden Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts bestätigen zwar den sichtbaren Aufwärtstrend. Dennoch wird deutlich, dass Elektromobilität in Europa noch weit von den erforderlichen Zahlen entfernt ist, wie Daten der Autoherstellervereinigung ACEA zeigen. Absoluter Spitzenreiter ist Norwegen vor Island, Finnland und Schweden.

Infografik: E-Mobilität kommt nicht in die Gänge | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die Elektromobilität hat sich in Europa insgesamt noch nicht durchgesetzt. Das hat verschiedene Gründe. Vergleichsweise hohe Anschaffungskosten, die unzureichende Ladeinfrastruktur und die mangelhafte Reichweite der Elektroautos gehören sicher dazu. Ohne staatliche Subventionen und/oder steuerliche Anreize wird sich Elektromobilität nicht zum Megatrend entwickeln.