Der Kampf gegen Bargeld ist längst in vollem Gange, auch wenn die wenigsten das bislang so wahrnehmen. Ein gesetzliches, vollständiges Bargeldverbot wäre als Ultima Ratio jedoch nur dann zu erwarten, wenn alle anderen Methoden versagt haben. Das wird aber nicht passieren, da die Zusammenarbeit zwischen Regierung, Unternehmen und Banken in dieser Frage bestens funkioniert. Obwohl Bargeld nicht nur in Deutschland und Europa nach wie vor als einziges gesetzliches Zahlungsmittel gilt, wird nahezu weltweit die Entwicklung einer bargeldlosen Gesellschaft und Wirtschaft vorangetrieben. Dies geschieht mehr oder weniger im Hintergrund und in kleinen Schritten, so dass kein Widerstand hiergegen mobilisiert wird. Am Ende der Entwicklung hat sich die Mehrheit daran gewöhnt oder damit arrangiert, ohne Bargeld zu leben und (wieder) auf ein Stück Freiheit zu verzichten.

Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel

Im Grundsatz ist Bargeld nach wie vor das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, das niemand ohne rechtliche Nachteile ablehnen kann, wenn es zur Erfüllung einer Geldforderung angeboten wird. Freilich ist dieser Grundsatz in den letzten Jahren zunehmend löchriger geworden. Wir alle kennen beispielsweise die Probleme, eine 500-Euro-Banknote an den Mann oder die Frau zu bekommen, was nicht nur bei Tankstellen schon offen sichtbar abgelehnt wird. Die Abschaffung der 500-Euro-Banknote ist in Europa jedoch nur ein Element im Kampf gegen die Bezahlung mit Bargeld.

Bargeld bedeutet Freiheit

Bargeld bedeutet Freiheit,

  • ohne Kontrolle oder Überwachung zu kaufen, was man will,
  • sein Geld vom Konto abzuheben, unters Kopfkissen zu legen oder zu verschenken,
  • der Bedienung im Restaurant ein Trinkgeld zu geben und
  • last but not least anonym seinen Gelüsten oder Hobbies nachzugeben oder nachzugehen.

In einer digitalisierten Welt, in der Daten über Sieg oder Niederlage entscheiden und das Öl der Zukunft sind, ist Bargeld unerwünscht, weil es eben keine Daten hinterlässt. Wer um die Ecke beim Tante-Emma-Laden einkauft und mit Bargeld bezahlt, bleibt vollständig anonym und ist damit datenmäßig kein Gewinn. Wer dagegen im Großmarkt einkauft, mit EC-Karte oder Kreditkarte bezahlt und eventuell noch eine Payback-Karte benutzt, hinterlässt eine Menge Daten. Solche Verbraucher sind ideal, um diese dahingehend zu analysieren „Wer hat was wo gekauft?“.

Entwicklung zur bargeldlosen Gesellschaft

Die Entwicklung zur bargeldlosen Gesellschaft wird ganz bewusst im Hintergrund gehalten und in kleinen Schreiten gesteuert, um die Menschen hieran zu gewöhnen. Begründet wird das wieder mal mit dem Kampf gegen Terrorismus, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Ob am Ende die vollständige Bargeldabschaffung im Fokus steht, darf bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz haben Behörden, Unternehmen und insbesondere die Banken den Kampf gegen Bargeld bereits gewonnen, wenn die Beschränkungen zu einer spürbaren Abnahme der Bargeldtransaktionen geführt haben. Bargeldlose Transaktionen lassen sich einfacher verfolgen und überwachen, was jedoch sicherlich nicht zu mehr Sicherheit führen wird. Davon abgesehen sinken die Kosten, die mit dem Bargeld verbunden sind.

Bargeld macht verdächtig

Weltweit kann man den Trend zur Bekämpfung des Bargelds bis hin zur Bargeldabschaffung beobachten, mal mehr, mal weniger. Europa geht beim Kampf gegen das Bargeld mit großen Schritten voran, darunter z.B. Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien. Dort wurden Bargeldzahlungen längst auf bestimmte Höchstbeträge reduziert und Verstösse mit hohen Strafen belegt. Auch in Deutschland wird es nicht mehr lange dauern, dass Bargeldzahlungen ab 5.000 Euro für illegal und strafbar erklärt werden.

Ein sehr effektives Instrument im Kampf gegen das Bargeld sind die Maßnahmen des Gesetzgebers und der Finanzverwaltung, die auf Basis der Abgabenordnung (AO) erlassen werden. Die Dokumentationspflichten der Unternehmen im Umgang mit Bargeld werden seit Jahren schrittweise stetig erhöht und kontrolliert. Bereits bei formellen Verstössen gegen eine ordnungsgemäße Kassenführung drohen den betroffenen Unternehmen Hinzuschätzungen und Strafen, so dass Bargeld dadurch sogar zum Risiko wird.

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